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IHK: Unternehmen bricht das Rückgrat weg – Geschäftsführer Bodo Stange warnt vor Folgen des Nachwuchs- und Fachkräftemangels in alternder Gesellschaft

Driftsethe. Einen Vortrag zum Thema Ausbildung hielt Dr. Bodo Stange, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade für den Elbe-Weser-Raum im Bereich Aus- und Weiterbildung, beim Hagener Unternehmerstammtisch. „Wie können wir gut qualifizierte Fachkräfte in der Region halten oder gewinnen?“, lautete seine Fragestellung.

Vor sieben Jahren haben die Unternehmen in der Region sich noch keine großen Sorgen über den demografischen Wandel und den damit einhergehenden Fachkräftemangel gemacht. Heute würden sie die Gesamtsituation problematischer einschätzen, berichtete Bodo Stange, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade, dem Hagener Unternehmerstammtisch.

Von der Veränderung der Altersstrukturen in der Bevölkerung sei der Landkreis Cuxhaven mit am schlimmsten betroffen: „Die über 80-Jährigen werden sich hier bis zum Jahr 2025 verdoppeln, die Zahl der 65- bis 79-Jährigen werden um 70 Prozent zunehmen, und die Gruppe der 30- bis 45-Jährigen bis 40 Prozent abnehmen“, prognostizierte er. Fachkräftemangel gebe es bereits seit 2010 in den technischen Berufen, beim technischen Ingenieursnachwuchs und in den Pflegeberufen: „Wir wissen, dass das System hier kollabieren wird“, so der IHK-Geschäftsführer. Als die vier wichtigsten Standortfaktoren für Unternehmen nannte er eine günstige Verkehrsanbindung, die Hagen ja habe, qualifizierte Fachkräfte, eine verlässliche Energie, die zu einem vernünftigen Preis verfügbar sei und Breitbandanschlüsse. Hier sei man in Hagen vorbildlich: „Die letzten schwarzen Flecken in Hagen werden erschlossen, dann fehlen noch Driftsethe und Finna“, ergänzte Bürgermeister Andreas Wittenberg.

Kritische – aus Sicht der Unternehmen – seien die Qualität der schulischen Bildung, die IT-Verbindung sowie die Gesundheitsversorgung vor Ort, die in Hagen ein Grund zur Sorge ist, sagte der Bürgermeister. „Wir sind am Ball, wissen aber nicht, wie es in wenigen Jahren aussehen wird. Schicken Sie Ärzte, die sich in Hagen ansiedeln wollen, direkt ins Rathaus“, rief er die Teilnehmenden auf.

Die Überalterung der Gesellschaft habe zur Folge, dass mit dem Schwund der jungen und qualifizierten Fachkräfte das Rückgrat der Unternehmen wegbreche, erklärte Bodo Stange. Die zunehmende Zahl der älteren Mitarbeiter erfordere steigende Investitionen in die Weiterbildung. „Die Innovationskraft der Unternehmen nimmt ab, wenn man nicht aufpasst“, warnte der Referent. Ob eine Region für sie in Frage kommt, würden Fachkräfte in erster Linie an ihrem Arbeitsplatz fest machen und an günstigem und attraktivem Wohnraum, der Qualität, Vielfalt und Nähe der Schulen, den Einkaufsmöglichkeiten und der IT-Verbindung.

Es drohe der „Teufelskreis der Demografie“: Durch die sinkende Zahl der Schüler folgen Schulschließungen, Lehrer und junge Familien wandern ab. „Man muss sich im Zweifel über Landkreisgrenzen hinweg zusammenschließen, Geleitzüge bilden und das Denken der jetzigen Verwaltungen überdenken“, schlug der IHK-Geschäftsführer vor. Zudem müsse man sich die Frage stellen, wie kriege ich die Dienstleistung zu den Menschen. Eine Möglichkeit sei das virtuelle Lernen, das Auszubildenden weite Wege zu Berufsschulen zumindest zum Teil ersparen könnte. Unternehmen müssten ihre Attraktivität als Ausbildungsbetrieb steigern. „Jugendliche wollen respektiert werden, wünschen sich ein gutes Betriebsklima und achten auf die Qualität der Ausbildung, so dass Kleinbetriebe nicht im Nachteil zu Großunternehmen stehen“, erklärte er. Mitarbeiter könne man durch Einführung von Arbeitszeitflexibilisierung, der Einführung von Teilzeitmodellen und der Eröffnung von Betriebskindergärten binden. Politik, Verwaltung, Unternehmen und Bürgern müssten gemeinsam handeln.

„Wir kommen in eine Situation, wo Jugendliche sich ihren Job aussuchen können“, so Wittenberg. In der Gemeinde gebe es meist Mittelstandsbetriebe und wenig Arbeitsplätze für Akademiker. Die Schulversorgung sei zufriedenstellend: „Mit drei Grundschulen für 11000 Einwohner stehen wir gut da“, so der Verwaltungschef.

Gedrucktes kann wie Gyros riechen

Unternehmertreffen bei Firma Wüst

Zum zweiten Unternehmerstammtisch der gut ein halbes Jahr alten Einheitsgemeinde Hagen im Bremischen trafen sich jetzt Bürgermeister Andreas Wittenberg, rund 30 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie einige Ratsmitglieder im Druckhaus Wüst in Driftsethe. „Ziel des Unternehmerstammtisches ist es, das wir uns kennenlernen und ’networken’“, so der Bürgermeister, sprich dass Verbindungen und Netzwerke geschaffen werden.

Axel Wüst, Geschäftsführer des vor 42 Jahren von seinem Vater Gerhard gegründeten Druckhauses, stellte das Unternehmen vor und führte durch den Driftsether Firmensitz. „Bei uns gibt es Drucksachen aller Art, nicht von der Stange.“ Angeboten werden beispielsweise Kalender und Bücher, aber auch Werbemittel wie Firmenschilder und Bandenwerbung. Am Schreibtisch in der Druckvorstufe erfolgt die Gestaltung mit ausführlicher Beratung; in der Verarbeitung ist – bis zu einer gewissen Grad – auch noch Handarbeit gefragt. So werden Spiralen in Wandkalender montiert und diese dann in Folie verpackt. Für die komplette Fertigung aller Produkte steht ein umfangreicher Maschinenpark zur Verfügung. Herzstück ist die 1,2 Millionen Euro teure Druckmaschine, die 14000 Papierbögen pro Stunde über ihre mit Farbe gefüllten Druckwerke schicken kann. Auch duften kann das Druckprodukt: „ Neben Schokolade, Apfel oder Zimt gibt es sogar Gyros-Geruch“, berichtete Druckexperte Axel Wüst.

Das Druckhaus Wüst beschäftigt 16 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende. „Während Schriftsetzer und Drucker früher reine Männerberufe waren, stellen wir heute fest, dass sich immer mehr Frauen für diese Aufgaben interessieren“, erzählte Wüst. Eine Voraussetzung für die Arbeit als Mediengestalter seien gute Deutsch-Kenntnisse. „Auch farbenblind dürfen Bewerber nicht sein“, so der Geschäftsführer. Eine Rot-Grün-Schwäche sei aber kein Problem. Immer problematischer werde die Beschulung der Auszubildenden. „Wo lassen wir unsere Medientechnologen beschulen?“ Diese Frage müsse sich der Betrieb stellen. Mediengestalter könnten die Berufsschule in Bremerhaven besuchen, auch in Cuxhaven und Oldenburg gäbe es Möglichkeiten, die jedoch immer weniger würden, erzählte der Ausbilder.

„Wird eigentlich noch Korrektur gelesen?“, fragte ein Anwesender. Axel Wüst bejahte. Ein computergesteuertes Korrekturprogramm könne nicht „nach Sinn“ lesen, betonte er und wies auf so entstehende Preisunterschiede bei Druckerzeugnissen hin. Nach einem Vortrag zum Thema Ausbildung und Fachkräfte (siehe nebenstehender Bericht) endete der Abend in der Druckhalle mit Gesprächen bei einem Imbiss und Getränken.

Quelle: Osterholzer Kreisblatt vom 7. August 2014 (Andrea Grotheer)

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