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Auf Wunsch kann das Papier auch duften

Das Druckhaus Wüst in Driftsethe fertigt Prospekte, Kalender, Flyer und vieles mehr / auch Handarbeit ist gefragt

Driftsethe. Angefangen hat alles im Wohnhaus der Familie Wüst: Die Druckmaschine stand in der Garage, die Dunkelkammer war auf dem Dachboden und die Setzerei befand sich im ehemaligen Kinderzimmer. Das alles ist lange her. Heute wird in einem Druckhaus mit modernsten Maschinen in Driftsethe gearbeitet. Wir haben uns angeschaut, wie dort die Buchstaben aufs Papier kommen.

In der "Weiterverarbeitung" geht es um die Fertigstellung der Druckerzeugnisse, hier kommt auch Handarbeit zum Einsatz. Petra Düffert verpackt gerade den neuen Wandkalender des Landkreises Osterholz in Kunststoffhüllen, Oliver Maring verarbeitet gedruckte Mappen. Foto: Andrea Grotheer

In der „Weiterverarbeitung“ geht es um die Fertigstellung der Druckerzeugnisse, hier kommt auch Handarbeit zum Einsatz. Petra Düffert verpackt gerade den neuen Wandkalender des Landkreises Osterholz in Kunststoffhüllen, Oliver Maring verarbeitet gedruckte Mappen. Foto: Andrea Grotheer

Driftsethe. Die riesige Druckmaschine rattert: 14000 Papierbögen schickt sie pro Stunde über ihre mit Farbe gefüllten Druckwerke. Im Druckhaus Wüst entstehen Prospekte, Kalender, Flyer, Mappen und vieles mehr. Seit rund 40 Jahren ist der Meisterbetrieb in Driftsethe ansässig. Gegründet wurde das Unternehmen von Gerhard Wüst, heutiger Geschäftsführer ist sein Sohn Axel. Auch dessen Ehefrau Ilona und Bruder David Wüst arbeiten mit im Familienbetrieb, 18 Mitarbeiter gehören zum Team.

Bevor die große, 1,2 Millionen Euro teure Druckmaschine ans Werk gehen kann, beginnt die Arbeit in der sogenannten Druckvorstufe. Mediengestalterinnen fertigen Entwürfe und Reinzeichnungen nach Kundenwünschen an, ausführliche Beratung gehört zum Angebot. Bei Kleinauflagen kommt auch der Digitaldruck zum Einsatz, bei dem ohne Druckplatte gearbeitet und das Druckbild vom Computer direkt ausgedruckt wird.

Geschäftsführer Axel Wüst im Drucksaal des Unternehmens. Im Hintergrund ist die große Druckmaschine zu sehen. Foto: Andrea Grotheer

Geschäftsführer Axel Wüst im Drucksaal des Unternehmens. Im Hintergrund ist die große Druckmaschine zu sehen. Foto: Andrea Grotheer

Wesentlich aufwendiger gestaltet sich der Offsetdruck, für den im sogenannten Plattenbelichter mit Hilfe modernster Lasertechnik Druckplatten erstellt werden. „Wir arbeiten mit der CTP (Computer to plate)-Technik, bei der die Platte direkt per Infrarotlaser belichtet und auf die Verwendung von Entwicklerflüssigkeit verzichtet wird“, erklärt Axel Wüst.

Weiter geht es in den Drucksaal. Die einzelnen Stationen der großen Maschine – Druckwerke genannt – sind jeweils mit einer Farbe gefüllt und mit einer Druckplatte versehen, die Einstellungen für die Farbmengen werden vom Computer eingespielt. Per Knopfdruck kann die Farbintensität gesteuert werden. Die Farben werden nach und nach übereinander gedruckt, bis auch das letzte Druckwerk erreicht ist. Im Vierfarbendruck werden mit Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz sämtliche Farben erzeugt, um Texte und Bilder darzustellen. Rotierende Zylinder sorgen für die Übertragung des Sujets von der Druckplatte über ein Gummituch auf das Papier – im Prinzip wie der Druck mit einem Stempel. Auch ein Lackwerk ist vorhanden. „Hier können wir eine spezielle Veredelung vornehmen, damit die Papieroberfläche abgeschlossen und nicht so anfällig für Fingerabdrücke oder Abrieb ist“, erklärt Axel Wüst. Selbst ein duftendes Druckprodukt ist für das Druckhaus kein Problem: „Wir können die Drucke zum Beispiel mit einem Duftlack nach Schokolade, Apfel oder Zimt duften lassen“, sagt der Druckexperte.

"Mit der alten, noch funktionsfähigen Druckmaschine veredeln wir die Drucksachen auf Wunsch", erklärt Geschäftsführer Axel Wüst. Hier wird gestanzt, geprägt und perforiert. Foto: Andrea Grotheer

„Mit der alten, noch funktionsfähigen Druckmaschine veredeln wir die Drucksachen auf Wunsch“, erklärt Geschäftsführer Axel Wüst. Hier wird gestanzt, geprägt und perforiert. Foto: Andrea Grotheer

Qualitätskontrolle wird groß geschrieben: Am Leitstand der Druckmaschine überprüft der Drucker – oder neu: Medientechnologe – die Produktqualität. Regelmäßige Stichproben garantieren ein gleichbleibendes Ergebnis. „Jeder Kunde erhält von uns vorab einen digital gedruckten Abzug seines Druckerzeugnisses zur Freigabe“, erklärt Axel Wüst. Damit die Farbe sich beim Drucken richtig verteilen kann, benötigt jeder Druckprozess einen Vorlauf. Je mehr Farbe verwendet wird, desto größer ist der Vorlauf. Der sich zusätzlich zur Auflage anhäufende Papierstapel ist nicht zum Verkauf bestimmt, er wird benutzt, um beispielsweise die Falzmaschinen korrekt einzustellen. „Makulaturbögen“ nennt man die auszusortierenden Papiere. Staubig sieht es am Papierausgabefach der Druckmaschine aus: „Das ist spezieller Puder, der sich wie kleine Kieselsteine zwischen die einzelnen Blätter legt. Er wird auf das Papier gestäubt, damit die frische Druckfarbe die Bögen nicht zusammenkleben lässt“, erklärt Axel Wüst. Wenn man mit dem Finger über die Druckbögen fährt, ist eine dünne weiße Schicht am Finger sichtbar.

Neben der großen Druckmaschine, Baujahr 2008, gibt es noch eine kleinere Ausgabe und auch zwei antik anmutende Geräte: Der „Zylinder“ und der „Tiegel“ sind alte funktionsfähige Druckmaschinen, die heute die Veredelung der Drucksachen übernehmen. Hier wird gestanzt, geprägt und perforiert.

Aufträge bis zum Format DIN-A-3 werden mit der kleineren Druckmaschine abgewickelt, bis DIN-A-2 wird in der großen Ausgabe gedruckt. „Wir können auch größere Formate anbieten und arbeiten zu diesem Zweck mit einem Netzwerk anderer Druckereien zusammen“, sagt der Geschäftsführer. Die Papierlieferungen erhält das Druckhaus von fünf verschiedenen Lieferanten aus Deutschland.

Im nächsten Raum, der „Weiterverarbeitung“, werden die Druckerzeugnisse weiterverarbeitet und fertiggestellt. Auch Handarbeit ist hier – bis zu einer gewissen Auflage – gefragt: Oliver Maring fährt mit dem Kleberoller über vorher von ihm gefaltete Mappen, Petra Düffert montiert Spiralen in Wandkalender und verpackt diese in Kunststoffhüllen. Für die Weiterverarbeitung steht ein regelrechter Maschinenpark zur Verfügung: Zum Falten von Flyern gibt es eine Falzmaschine, in der Broschürenfertigungsstraße werden Bogen zu einem Heft zusammengetragen. Das Schneiden übernimmt eine Schneidemaschine, deren Messer „scharf ist wie ein Rasiermesser“, warnt Axel Wüst. Schmunzelnd erinnert er sich an die Anfänge der Firma im Wohnhaus der Familie: „Die Druckmaschine stand in der Garage, die Dunkelkammer war auf dem Dachboden und die Setzerei in meinem ehemaligen Kinderzimmer“, blickt der Geschäftsführer zurück.

Zu erreichen ist das Druckhaus Wüst unter Telefon 04746/9464-0.

Quelle: Weser-Kurier / Osterholzer Kreisblatt vom 8. Dezember 2012 – von Andrea Grotheer

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